Was ist Trauma?

Traumata sind Verletzungen der Psyche, die entstehen, wenn Menschen  Situationen ausgesetzt sind, die sie nicht bewältigen können - entweder, weil sie noch zu klein sind, oder  die Bedrohung zu groß.  Die Situation ist lebensbedrohlich oder wird als lebensbedrohlich empfunden.

Traumagefühle gehen mit einer großen Überforderung einher, und der Satz: „Die Zeit heilt alle Wunden“ ist hier nicht zutreffend.

Ein Trauma ist etwas, das lebenslang bleibt und Spuren in Körper und Geist hinterlässt.

Je früher das Trauma entsteht, umso weniger Bewältigunsmechanismen stehen zur Verfügung, und umso stärker wird die gesamte Entwicklung davon beeinflusst.

 

Um die lebensbedrohliche Situation zu überleben und weiter existieren zu können, spaltet die Psyche sich in drei Teile auf: (Spaltungsmodell nach Franz Ruppert)

1.  Ein Teil bleibt gesund und „rettet“ sich, indem er das Erlebte komplett abtrennt.

2. Der abgetrennte Teil bleibt als traumatisierter Anteil zurück.

3. Überlebens-Anteile sorgen dafür, dass die Trennung bestehen bleibt und ein Weiterleben             möglich  wird.

Hinweise auf (frühe) Traumata können sein:

Müdigkeit  oder chronische Erschöpfung, innere Leere, getrieben sein, Ängste, Verspannungen, Schlafstörungen, Verdauuungsprobleme, Krankheiten, Schmerzen, Langeweile, Gleichgültigkeit, Fremdbestimmungsgefühle, wiederkehrende Träume, Beziehungsprobleme, Selbstwertprobleme, etc.

 

Gesunde Anteile können zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unterscheiden und sind neugierig, wach und lebendig. Sie sind weitestgehend unabhängig und treffen ihre eigenen Entscheidungen. Sie übernehmen Verantwortung für ihr Leben und ihren Körper, können sich aber auch verletzlich zeigen und um Hilfe bitten.

Gesunde Anteile sind empathiefähig mit sich und anderen.

Sie sind konfliktfähig, ohne sich zu rechtfertigen oder andere zu beschuldigen.

Sie sind ehrlich, authentisch, klar, zugewandt und zentriert.

Sie sind in Kontakt mit sich selbst und ihren Bedürfnissen und respektieren eigene und fremde Grenzen.

Beziehungen werden auf Augenhöhe geführt und andere Menschen dürfen so sein, wie sie sind. Gesunde Anteile haben ein Gespür für die „Wahrheit“ und suchen nach dieser, auch, wenn sie möglicherweise schmerzhaft ist.

Es sind die gesunden Anteile, die sich für eine therapeutische Begleitung entscheiden.

 

Traumatisierte Anteile sind durch die Abspaltung isoliert.

Sie bleiben immer in dem Alter, in dem sie entstanden sind. Sie sind nicht  mehr in Kontakt mit den anderen Anteilen, können  keine neuen Erfahrungen mehr machen und sich nicht weiter entwickeln. Ihre einzige Beschäftigung ist - ohne Perspektive auf Veränderung der Situation- die Traumagefühle (Erstarrung, Todesangst, Vernichtungsgefühle, Einsamkeit, Ohnmacht, Schuld, Scham, Ekel, etc.)auszuhalten.

Sie können jedoch angesprochen (getriggert)werden, wenn etwas passiert, das an das Ursprungstrauma erinnert. Das kann ein Ereignis sein, eine Stimme, ein Bild, oder ein Geruch. Dann geraten sie in große Not und bestimmen aus dem Unterbewusstsein heraus das Leben.

So kann zum Beispiel eine Trennung im Erwachsenalter ein Verlusttrauma aus früher Kindheit  triggern und eine Depression auslösen.

 

Den meisten Menschen sind ihre Traumaerfahrungen nicht bewusst, insbesondere dann nicht, wenn sie in frühen Entwicklungsstadien entstanden sind (vorgeburtlich oder in der frühen Kindheit).

 Nicht gewollt, nicht geliebt, nicht geschützt, ist eine häufige Trauma-Trias, bei der die Psyche sich immer wieder aufspalten muss.

Wichtige Persönlichkeitsanteile und Potenziale sind in den traumatisierten Anteilen gebunden.

Überlebensanteile sind Strategien, die entwickelt werden, um ein Weiterleben zu ermöglichen und aufzupassen, das die traumatisierten Anteile da bleiben, wo sie sind…die Angst ist riesig, nochmal von den lebensbedrohlichen Gefühlen überflutet zu werden.

Überlebensanteile und Traumaanteile gehören immer zusammen.

Manchmal  können die Überlebensanteile ein Trauma erinnern, was jedoch fehlt, ist der emotionale Bezug- der Mensch kann davon erzählen, ohne berührt  sein, wie eine Geschichte, die jemandem anders passiert ist.

Verdrängung und Vermeidung sind sehr häufige Strategien und gehen oft mit ständigem sich beschäftigen, funktionieren und ablenken einher.

Sie werden oft begleitet von Schönreden („Mir geht es gut!“) und Illusionen („Ich hatte eine glückliche Kindheit!“)

Wird das Trauma erinnert, können Strategien wie Bagatellisieren („So schlimm war es nicht! Anderen erging es viel schlimmer! Ein Klaps hat noch nie jemandem geschadet!“) oder Intellektualisieren („Sie konnten ja nicht anders!“) zum Tragen.

Auch Idealisieren und sich selbst abwerten ist eine häufige Strategie („Ich habe das ja verdient, meine Eltern haben alles richtig gemacht!“)

Kontrollieren ist ein wichtiger Überlebensanteil, wenn Vermeidung im Alltag nicht funktioniert. Die Kontrolle bezieht sich sowohl auf die Innenwelt (Gefühle unterdrücken, keine echte Nähe zulassen) als auch auf die Außenwelt, in dem  versucht wird, Menschen zu manipulieren oder auf sie einzuwirken, was sie tun und was sie lassen sollen.

Auch Macht ist eine Überlebensstrategie, die viel Energie aufbringen  und in die höchsten Positionen und Ämter führen kann.

Überlebensanteile können sich in alle Gewänder kleiden- sie können sowohl sehr funktionell sein und Beziehungen führen, Karriere machen, Hobbys haben, als auch zerstörerisch wirken und sich in Krankheiten (körperlich und psychisch) ausdrücken.

Alles kann zur Überlebensstrategie werden, was als "Ablenkungsmanöver" hilfreich ist - nur

eins können sie nicht: „Leben“ !

Durch Kompensation wird versucht, Abhilfe zu schaffen:

Übermäßiges  Essen, Alkohol, Nikotin, künstliche Fröhlichkeit, materielle Befriedigung, Karriere,Suche nach Anerkennung im Außen, sind verzweifelte Versuche, wenn der Zustand im Überlebensmodus unerträglich wird.

Mögliche Traumata:

Zeugungstrauma

Geburtstrauma

Trauma der Liebe

Identitätstrauma

Existenztrauma

Bindungstrauma

Bindungssystemtrauma